Die 36 Kammern der Schreinerei Wey
Was ein guter Raum ist, bestimmen erstmal Sie selbst. Ihr Geschmack, Ihr kultureller Hintergrund, Ihre Biografie... doch in der Geschichte der Menschheit und nicht erst, seit es den Forschungszweig der empirischen Ästhetik gibt, haben sich ein paar Regeln abgezeichnet, an denen man sich orientieren kann, wenn man gestaltet und auf die sich die meisten Menschen einigen können.
So bewege ich mich als Schreiner zwischen Freiheit in der Gestaltung und den Anforderungen der Regeln der Ästhetik und Nutzbarkeit.
Der Raum selbst
Größe und Form eines Raumes bestimmen das Gefühl, das man hat, wenn man ihn das erste mal betritt. Ich empfehle dazu einen Besuch der ehem. Raketenstation Hombroich. Dort warten Räume auf den Besucher, zu denen man sonst keinen Zugang hat.
Material
Schreiner bauen mit Holz, Steinmetze mit Stein und der Stahlbau eben mit Metall. Und das ist schade. Ich habe einen kleinen Materialfetisch, liebe die Texuren von europähischem Nussbaum genauso, wie die von Venato-Marmor, die Wärme in der Haptik von Lindenholz, so sehr wie die von Linoleum und die Möglichkeiten in der Kombination von Stahl, Farben, Hölzern sowieso.
Warum sollte ich mich also beschränken auf das, worauf ich beim Handel Rabatte bekomme, oder das, was easy geliefert werden kann?!? Wenn ich die Zutaten in Projekten aufbohre und mehr in meinem Materialfundus habe, wird nicht nur der Job interessanter, sondern auch eure Projekte besser, denn man bekommt nicht nur das, was es gerade gibt, sondern genau das, was man haben will.
Ich habe einen sehr breiten Überblick über tausende Materialien. Ich weis, was Materialien können, wie man sie fügt und kombiniert, wie man mit ihnen konstruiert, bin neugierig und offen für eure Ideen.
Gestaltung
In den 80ern hat Steve Jobs für Apple eine Studie in Auftrag gegeben, durch die unter anderm herausgefunden wurde, dass gefällig gestaltete Gegenstände, besser, erfolgreicher, zufriedener und länger genutzt werden, als Gegenstände, die den Nutzer weniger gefallen.
Für mich als Schreiner bedeutet das: Wenn ich Dinge gestalte, die meinen Kunden gefallen, erhöht das nicht nur die Wahrscheinlichkeit für eine Beauftrtagung, die Möbel werden zufriedener und länger genutzt. Nachhaltigkeit und Zufriedenheit der Kunden - Check!
Ich habe viel Erfahrung in der Gestaltung von Räumen. Von der Führung der Nutzer*innen über die Erzeugung von Emotionen durch Farben, Materialien und Formsprache... Ich gestalte Möbelstücke immer im Kontext des Bestandes.
Licht
Wenn du nur eine Sache an einem Raum machen kannst, dann fang mit dem Licht an. Auch wenn das mich als Schreiner in die 2. Reihe stellt, ist der Architekt in mir klar darin: Licht ist ein essentieller Bestandteil von Raumplanung.
Man kann den schönsten Raum der Welt mit nicht dimmbaren Punkt-Lichtquellen komplett ruinieren, während man einen Raum, den NIEMAND für gut gestaltet bezeichnen würde mit einer konsequenten, guten Lichtgestaltung um 1000% verbessern.
Hier habe ich aus meiner Zeit in der Entwurfsabteilung und Agentur viel Erfahrung mit der Gestaltung und dem Erzeugen von Emotionen mit Licht.
Akustik
Die Klang ist die kleine Schwester des Lichts. Viel weniger beachtet, doch für den Komfort eines Raumes genauso wichtig.
Man sitzt in einer Bar, eigentlich nicht zu viele Leute hier, doch es ist super laut und man muss sein gegenüber schon fast anschreien, um sich zu verstehen und die Musik hier geht ohnehin fast unter. Eine unangenehme Geräuschkulisse stresst, Menschen verbringen weniger Zeit in Läden, Restaurants, sind gestresster in Arztpraxen, der Kita oder ihrem Zuhause.
Durch meine langjährige Erfahrung in der Veranstaltungstechnik weis ich, wie gute Räume klingen und welche nicht zu unterschätzende Wirkung die Raumakustik hat. So ist die Akustikplanung ein integraler Bestandteil jedes Projektes, dass ich mindestens überprüfe, wenn ich einen Autrag projektiere.
Ausführung
Aller Kunst muss das Handwerk vorausgehen, meinte schon der gute, alte Goethe. Don´t talk the talk, if you can´t walk the walk ist das englische Idiom.
In der Konstruktion und Projektleitung im Messebau habe ich gelernt, dass alles, was man sich so ausdenkt auch gebaut werden muss. Geht das nicht, kommt der Anruf aus der Werkstatt, dann gibts auf die Finger. Die Umsetzung am Ende der Planung ist der Handwerkliche Teil, der oft anspruchsvoll ist.
Ich greife auf ein breites Repertoire an Fertigungstechniken zu. Digitale Planung, hoher handwerklicher Anspruch und am Ende ein wundervolles Ergebnis, dass alle genannten Dimensionen in sich vereint. Zufriedenheit.